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Berichte über die Regionen Litauens Kurische Nehrung – einzigartige Wüste Europas

Kurische Nehrung – einzigartige Wüste Europas

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2006-07-10

 

Das Zusammenspiel der weiten Wasserflächen und des grünen Landes – dieser ursprünglichen Landschaftselemente – bildet immer ein abwechslungensreiches, vielfältiges geographisches Milieu. Deswegen bietet die Küstenlandschaft oft manches Kleinod einmaliger Naturschönheit. Das trifft auch für ein kleines Stückchen unseres Landes an der Ostsee zu. Hier endet in einem weiterzweigten Delta der Nemunas (Fluss Memel), hier breitet sich das Kurische Haff aus, vom Meer durch einen weissen Sandwall – die Nehrung – abgetrennt.

Es ist eine eine einzigartige Wüste in Baltikum. Der Schrifftsteller Thomas Mann hat die Kurische Nehrung-wilde Wüste besonders geliebt und hat ein Sommerhaus gebaut, in dem er mit seiner Familie gelebt hat.

Der Ostseeküste der Kurischen Nehrung entlang läuft ein herrlicher Strand. Daran schliesst sich eine flache Düne an, die er dahinterliegenden feuchten, mit Laubwald bewachsenen Ebene genügenden Schutz gegen die Meeresbrandung bietet. Die Ebene wird von einer Dünenkette überragt, hinter der sich schon die Haffküste – wiederum eine feuchte Ebene – ausbreitet. So abwechslungreiches Bild bietet sich beim kurzen Wandern über die Nehrung, denn von Küste zu Küste ist es kaum eine halbe Stunde Weg: an ihrer breitesten Stelle misst sie vier Kilometer und an ihrer schmalsten dagegen knapp vierhundert Meter.

Die Nehrung gilt als das jüngste Stück Festland an der litauischen Ostseeküste. Vor 5000-6000 Jahren gab es die Negrung nicht: aus dem flachen Wasser ragten nur hier und dort kleine Inseln. Schichtweise wurde der Sand ans Ufer gespült, der die Flächen zwischen den Inseln ausfüllte und einen weissen Wall bildete. Der getrocknete Sand türmte sich zu kleinen Hügeln, daraus entstanden Dünen, ja sogar Dünenketten, darauf begannen Gras und Bäume zu wachsen. Jedoch waren die Dünen nicht immer so mit Wald bestanden.

Im 16.-17. Jahrhundert wurden die Wälder zum grössten Teil abgeholtzt. Damit wurde die Bodenoberfläche zerstört, und der Wind konnte ungehindert Sandschwaden über die Nehrung treiben, und die feinsten Sandkörnchen schliffen die Rinden von den Bäumen. Mit der Zeit starben diese Bäume ab. Die Dünen bewegten sich von der Ostsee bis zum Haff hin, wobei sie die Wälder restlos vernichteten. Sie waren so weit in das Haff hineingewandert, dass ganze Sandberge unmittelbar vor den Fischerdörfern entstanden. Die Einwohner waren gezwungen, die im Sand versinkenden Häuser zu verlassen und ihre Wohnstätten zu verlegen. Vierzehn Nehrungsdörfer wurden unter den Wanderdünen begraben.

Die Nehrungsbewohner liessen sich jedoch von den Sandstürmen nicht einschüchtern. Sie kämpften gegen die Naturgewalten. Als erster versuchte G. D. Kuwert in Nida, eine Sandfläche zu befestigen, er bepflanzte den Urbas-Hügel mit Latschenkiefern und gab damit auch anderen ein Beispiel.

Auch heute sind die Schutzmassnahmen auf der Nehrung nicht einfach, aber sie sind nicht mehr die Sache einzelner, sondern werden auf wissenschaftlicher Grundlage geplant und auf Staatskosten durchgeführt.

Der Sowjetlitauen gehörende Teil der Nehrung wurde 1960 Landschaftschutzgebiet. Da die Natur der Kurischen Nehrung mit ihren Dünen, Gräsern, Vögeln und Insekten einmalig ist und sehr empfindlich auf die verschiedenen Umwelteinflüsse reagiert, reichten die üblichen Naturschutzmassnahmen nicht aus. 1967 wurde eine Verordung über den Schutz und Erhaltung der Kurischen Nehrung bestätigt, 19766 wurde das Gebiet zum Naturschutzpark erklärt. Der grössere Teil der Nehrungswälder gilt als Naturschutzgebiet, daher ist dort jegliche wirtschaftliche Tätigkeit untersagt. Besonders gepflegt wird die Pflanzenwelt, viele seltene Pflanzen sind in das Rotbuch der bedrohten Arten der UdSSR eingetragen. Streng kontrolliert wird die Einreise von Touristen und Urlaubern: auf die Nehrung kommt man nur mit einer besonderen Genehmigung. Es ist verboten, an einem beliebigen Ort zu zelten, auf den Dünen spazierenzugehen u. a.

Die Sowjetunion, die als Initiator der internationalen Schutzmassnahmen für die Ostsee gilt, setzte 1976 strenge Vorschriften zum Schutz der Ostsee in Kraft. Im selben Jahr wurde in Litauen das nationale Programm über den Schutz des Ostsebeckens bestätigt, das wichtige Massnahmen auch für den Schutz des Kurischen Haffs vorsieht.

Die Kurische Nehrung ist ein seltenes Werk des Menschen und der Natur. Die Baukunst der Gehöfte mit originellem Häuserschmuck ist nur für die Küstenlandschaft typisch. Diese Bauwerke der Volksarchitektur werden restauriert und den Bedürfnissen unserer Tage angepasst. Neue Gebäude werden nur nach Einzelprojekten gebaut, wobei man die herkömmliche Bebauung berücksichtigt. Neringa – eine Verwaltungseinheit mit Stadtrecht – besteht aus mehreren Fischersiedlungen. Ihr Zentrum ist Nida. In der Geschichte dieses Städtchens widerspiegelt sich die Vergangenheit der Nehrung und die alten Traditionen der Küsteneinwohner. Diese alte Siedlung musste im 18. Jahrhundert zur Haffküsste verlegt werden, später nahm sie Flüchtlinge aus anderen versandeten Orten auf. Heute ist Nida das kulturelle Zentrum der Nehrung. Besonderen Reiz erhält der Ort durch alte Fischergehöfte, gemütliche Höfe und die schöne Haffküste. Neue Erholungsheime, das Exekutivkomitee, das Postamt und andere Gebäude, die harmonisch den alten Bauten angepasst wurden, zeugen von der ständigen Sorge der Architekten, die Eigenart des Ortes zu erhalten.

In Nidden empfindet man am deutlichsten die Stimmung der Kurischen Nehrung. Das tiefe Blau der Ostsee mit dem weitgespannten Himmel, gelbe oder grün bewachsene Dünen werden zum bleibenden Erlebnis. Man muss das alles gesehen haben. Im Sommer wie im Winter hat dieses Stückchen Erde seinen eigenen, unverwechselbaren Reiz.

Eine Schiffreise ist die beste Art, um den Reiz Kurischer Nehrung zu sehen und zu fühlen.


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